MITGLIEDER STELLEN SICH VOR!

Mario Andreotti

 

geb. 1947, Prof. Dr., Studium der Germanistik und Geschichte in Zürich; zahlreiche fachwissenschaftliche Beiträge in Büchern und Zeitschriften vor allem zur literarischen Moderne; lebt heute als Lehrbeauftragter für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität St. Gallen, als Gastdozent für neuere deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg in Feldkirch sowie als nebenamtlicher Dozent für Literaturwissenschaft an der Fachhochschule für Angewandte Linguistik in Zürich. Daneben ist er Referent in der Weiterbildung für die Mittelschullehrkräfte des Kantons St. Gallen und Mitglied verschiedener Literaturkommissionen, u.a. der Kulturkommission der Internationalen Bodenseekonferenz und des Preisgerichtes für den Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen. Von seinen Publikationen sind die beiden folgenden, im Paul Haupt Verlag Bern, Stuttgart, Wien erschienenen Sachbücher zum Wesen moderner Dichtung am bekanntesten geworden:
-  Die Struktur der modernen Literatur. Neue Formen und Techniken des Schreibens:  Erzählprosa und Lyrik. Uni-Taschenbücher 1127.
Das Buch ist eben in fünfter, vollständig neu bearbeiteter und aktualisierter Auflage erschienen.
-  Traditionelles und modernes Drama. Uni-Taschenbücher 1909, 1996.
Mario Andreotti wurde 2016 mit der Rudolf-Descher-Feder ausgezeichnet.


Maria M. Bengtson-Stier

 wurde in Alzey/Rheinhessen geboren, lebt aber seit Ihrer Heirat im Jahre 1961 in Malmö, Schweden.
Geschrieben hat die Autorin seit ihrer Schulzeit. Zuerst waren es kleinere Naturbeschreibungen und Gedichte in Lokalzeitungen, verschiedentlich auch in größeren Zeitschriften.
Ihr erster Roman wurde im Jahre 1962 im Moewig Verlag veröffentlicht. Es folgte eine Periode, in der sich Maria Bengtsson Stier der Malerei und der Musik widmete. Es entstanden eine Reihe Ölgemälde und neben dem Gitarrenspiel schrieb sie eigene Songs und auch die Liedtexte dazu (meistens auf schwedisch).
Im Jahre 1979 erschien in Schweden die Schallplatte "Bryggan till ditt Hjärta" (Die Brücke zu deinem Herzen).
1989 erschien der erste Lyrikband "Jeder Tag ein Geschenk" mit eigenen Federzeichnungen. Das Büchlein wurde in Stockholm gedruckt.
Nachdem die 1962 geborene Tochter herangewachsen war, widmete sich die Autorin ernsthaft und endgültig der Schriftstellerei.
Maria Bengtsson Stier schreibt Romane, Erzählungen, Kindermärchen, Lyrik, Haiku, Mundart.
Maria Bengtsson Stier ist Mitglied im "Författarcentrum Syd" in Malmö und im Författarsällskap in Lund.


 

Paul-Bernhard Berghorn
*1957, D, wuchs in einer Musikerfamilie auf. Der ausgebildete Musikalienhändler und dipl. Sozialpädagoge lebt in Zürich, wo er im Schweizerischen-Epilepsie-Zentrum tätig ist.
Seine fragile, nuancierte Lyrik drückt auf äusserst reduktive und doch sprachlich musikalische Weise sensible Beobachtungen, Atmosphären, Augenblicke seelisch-emotionaler Tiefen aus. In der Andeutung, im Augenblick – und dazu zählt Berghorn das Gedicht – ein Nicht-Ende zu erleben. Das Motiv des Augenblicks, hier sind seine musikalischen Wurzeln, der Vater war Komponist, unüberlesbar – kehrt bei Berghorn stets variantenreich wieder. Die Reduktion gepaart mit leiser Ironie bis hin zum sarkastischen Staccato zeigt sich auch in seinen Aphorismen, einer Literaturform, mit der sich der Autor zunehmend auseinandersetzt. In seinen Essays setzt er sich auf vielfältige Weise mit der Kunst auseinander. Sei es mit der Musik, der Malerei oder mit deren Wirkung. Das Grundsätzliche beschäftigt ihn essayistisch ebenso, wie er in dieser, als auch in satirischer Form Stellung zu Zeitfragen und Kritik am Zeitgeist formuliert. Darüber hinaus reflektiert er in schriftstellerisch lebendiger Form seine ausgedehnten Reisen. Abgerundet wird sein vielschichtig kreatives Wirken unter anderem dadurch, dass er sich auch dem Schreiben von Geschichten für Kinder widmet. Berghorn ist freier Mitarbeiter verschiedenster Kulturzeitschriften.  

 

 

 

Corso Garibaldi

  

Es war in Mailand.

 

Ich saß in einem Literatur-Café am Corso Garibaldi und las in verschiedenen Lyrik-Bändchen die dort auslagen. Es regnete und daher war das Café nur spärlich besetzt. Durch die großen Fenster schaute ich auf das Treiben des Corsos, welches bunt, lebendig aber nicht hektisch wirkte. Ja es strahlte eine gewisse Lässigkeit aus.-

 

Vor mir saß ein elegant gekleideter, älterer Herr, mit vollem weißen Haar. Er wirkte gleich einem würdigen doch modernen Grande. Seine Lippen umspielten ein Lächeln als ich mir den vierten Espresso bestellte und meinte, ob der Lyrikband, den ich gerade lesen würde, so einschläfernd sei, dass ich dafür doch einige Espressos benötigte.

 

Das weniger, antwortete ich, ich müsse aber wach bleiben, da ich heute noch einen Nachtflug via London nach Halifax hätte.

 

Aufgrund meines Akzentes stellte er richtig fest, dass ich nördlich der Alpen kam.

 

Deutschland oder Schweiz? Beides, antwortete ich. Er lehnte sich behaglich in den bequemen Fauteuil zurück und meinte etwas unvermittelt

 

Braucht es um Lyrik zu schreiben nicht auch Verstand, Umsicht, ja vielleicht sogar auch Vorsicht? Und ich bin sicher Sie schreiben Gedichte. „

 

Sherlock Holmes könnte von Ihnen lernen!“

 

Ein bescheidenes <grazie> wurde hörbar.

 

Aber Ihre Frage aufgreifend“, fuhr ich fort, „weiß ich nicht, ob Poesie Verstand benötigt - ich denke, dieser kann eher hinderlich als förderlich sein. Verstand ist etwas nachprüfbares, eher Analytisches, wenn Poesie mit Verstand arbeitet, dann müsste sie ja auch –und nun bin ich ketzerisch – auch verständlich sein!“

 

Der elegante Herr schmunzelte. „Verständlich nicht aber verstehbar, oder doch zumindest weitestgehend verstehbar. Ich denke an Edgar Allan Poe, an sein Essay über Die Philosophie der Komposition, in der er die Meinung vertritt, dass man Gedichte mit der Genauigkeit und starren Logik eines mathematischen Problems Schritt für Schritt schreiben kann. Und wie Sie wissen, beruft er sich dabei auf sein längeres Gedicht <Raben>.“

 

Ich kenne es, dieser sich wiederholende Refrain <Nimmermehr> am Ende einer jeden Strophe. Aber nehmen wir seine anderen Gedichte, z.B. An Helen - wo ist da der Verstand? Es ist ein wunderschönes, im wahrsten Sinne des Wortes poetisches Gedicht, kenntnisreich und sensibel! Leider kann ich nur die erste Strophe auswendig:

 

Ah, deine Schönheit ist für mich

Wie Nikes Barke, die aus fernem Land,

Des Meeres duften Atem teilend,

Den weg-müden Wanderer trug

Zum heimatlichen Strand.

 

Wo ist da der klassische Verstand?

 

Nein, ich glaube der Verstand hilft wenig im kreativen Prozess – Können ja, dies ist die Basis, aber Können allein befähigt noch lange nicht zum Schreiben von Poesie, sonst könnten es ja die Literaturkritiker und Germanistik-dozenten auch. Verstand hat auch immer was Rückwärtsgewandtes an sich. –Und wie gesagt: gibt es eine Verstandes-Poesie?“

 

Der Herr lachte hell auf „Verstand! Ein Begriff, den wir hier in Italien kaum kennen, daran merkt man, Sie leben in der Schweiz.“

 

Woran haben Sie das gemerkt?“, fragte ich ehrlich überrascht.

 

Sie sagten, Sie fliegen via London nach Halifax. Kein Deutscher würde das Wort via benutzen, selbst wenn er, wie Sie, recht gut italienisch spricht und obwohl Ihr Akzent der eines Deutschen ist. Dieses via benutzen die Schweizer.“

 

Wie gesagt, Signore, Sherlock Holmes würde Sie sofort als zweiten Doktor Watson in Beschlag nehmen.“

 

Grazie! Genug der Ehre! Aber Sie haben recht, mit dem was Poe in seiner Philosophie der Komposition schreibt, könnte man eher eine Fuge statt ein Gedicht komponieren.“

 

Unbemerkt hatte sich eine junge Frau zu uns an den Tisch gesetzt und hörte mit äußerst wachen Augen unserem Gespräch zu.

 

Verstand“, sagte sie plötzlich, „ist der Totengräber der Kreativität.“

 

Überrascht schauten wir zu ihr, und der ältere Herr, der sich als Signor Furtunati vorgestellt hatte, bat die junge Frau, dies doch bitte näher zu erläutern und schloss mit der fragenden Bemerkung, ob es wirklich so wäre, dass Verstand etwas mit Rückversicherung zu tun habe.

 

Der Verstand“, begann sie, „ist feige, insofern ist er das System der Rückversicherung, denn er geht den sicheren Weg, schreitet nur auf der großen, breiten Strasse der Risikolosigkeit, doch selten in den Himmeln der Erkenntnis, auch dazu ist er zu feige. Doch wer feige ist in diesem Sinne, kann nicht kreativ sein, da der Verstand ihm permanent sagt, wie dumm es ist kreativ zu sein, und wahrscheinlich damit nicht einmal Geld verdienen zu können. Feigheit in der Kunst ist Langeweile. Ein deutscher Kunstprofessor aus Düsseldorf, Rolf Sackenheim hieß er, hat den bedeutsamen Ausspruch getan <Kunst ist graben am Abgrund>. Ja, in der Kunst muss man wagen, alles wagen, das Unaussprechliche aussprechen – die Welt auseinandernehmen, zerstören um sie neu zu schaffen!“

 

Ihre Augen leuchteten.

 

Und diese Welt ist dann besser?“ fragte ich und schloss mit dem Zusatz, dass sie wohl eine Verehrerin des französischen Dichters Charles Baudelaire sei, der ja auch die Auffassung vertrat, dass an den Anfang des kreativen Prozesses die Zerstörung gesetzt werden müsste.

 

Sie lachte, ja, diesen Dichter würde sie sehr gern lesen und ja, ob es eine bessere Welt sei wisse sie nicht, aber es sei sicher eine andere.

 

Signor Furtunati, der nun ebenfalls beim vierten Espresso angekommen war, antwortete mit einem Zitat des Aphoristikers H.G.Lichtenberg

 

<Ich weiß nicht ob es besser wird. Aber es muss anders werden, wenn es gut werden soll.>

Genau, das ist es was ich meine!“, bemerkte die junge Frau die sich als Paola vorstellte.

 

So benötigt man also Mut, ja Wagemut zur Poesie und auch Umsicht und Vorsicht, Beides geleitet vom Verstand?“, fragte Signor Furtunati nicht ohne einen Anflug ironischer Provokation in seinen schalkhaften Augen.

 

Mitnichten!“, gleich einem Pfeil war die temperamentvolle Antwort Paolas.

 

Mitnichten“, wiederholte sie. „Umsichtig ist ein Kaufmann, und vorsichtig ist ein Banker.“

 

Sollte er sein!“, kommentierte Signor Furtunati lächelnd.

 

Wenn Kunst, Poesie umsichtig ist, dann ist sie Versicherung!“, rief Paola und ihre Gedanken feuerte sie nun gleich Pfeilen ab. „Poesie, Kunst muss in neue Gefilde vorstoßen, so wie die Seefahrer es im 15.Jahrhundert taten, die Angst überwindend, das Scheitern können wissend, aber das <dennoch> im Herzen, ohne dies sie ihr Ziel nie erreicht hätten. Nein, nicht Umsicht und Vorsicht, sondern Kenntnis der Worte, der Sprache, der Bedeutung, dass, ja! Und denken Sie an den Ausspruch Beethovens der sagte < Wahre Kunst ist eigensinnig, lässt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen.> Lyrik, Kunst ist nicht organisierbar! Wahrscheinlich darum sind kreative Menschen bisweilen chaotisch.“

 

Chaos gleich Kreativität?“ fragte ein Herr in Jeans und elegant klassischem Jackett, nicht ohne einen Unterton von Ironie. „Entschuldigen Sie, wenn ich mich einmische, aber hier in Italien haben wir zu viel Kreativität und darum wohl auch Chaos, und zu wenig Verstand, am Schlimmsten in der Politik.“

 

Sie müssen sich nicht entschuldigen, nur zu, die Vielfalt der Meinungen macht eine Sache erst interessant und erfolgreich“, sagte Signor Furtunati und deutete mit großer Geste auf den noch freien Sessel, „nehmen Sie Platz Signore.“ Zu mir gewandt fast erheiternd entschuldigend erklärend, meinte er „hier in Italien ist man, egal wovon man spricht, schnell bei der Politik, sozusagen unausweichlich – selbst wenn es um Poesie geht.“

 

Oh Poesie! Ein großes Thema, aber ist sie nicht ein wenig obsolet in unserer Zeit?“ antwortete der hinzugekommene Herr, der nun im Sessel Platz genommen hatte und sein Glas Fernet-Branca auf das kleine Glastischchen setzte und hinzufügte „Poesie – das ist ein weites Feld, dazu benötigt man wohl auch Verstand oder Naivität, oder beides. Wie heißt es so paradox bei Pasolini <Das Herz der Vernunft>.“

 

Wir diskutierten schon über den Verstand in der Poesie, ich denke es benötigt Intelligenz- oder ist es vernünftig Gedichte zu schreiben?“ fragte Paola provozierend und schaute in die Herrenrunde.

 

Es ist unvernünftig keine Gedichte zu schreiben“, entgegnete Signor Furtunati.

 

Nun, Kunst und Vernunft schließen sich aus“, bemerkte ich mehr für mich selbst sagend.

 

Es ist intelligent und gleichzeitig paradox Gedichte zu schreiben. Der Satz Pasolinis trifft es- wie er ja stets getroffen hat. – Wir hier in der freien und wohl auch –noch– sicheren Welt haben das Hören der Worte verlernt, - in Diktaturen, in Unrechtssystemen, die der Form, aber nicht dem Inhalt demokratisch sind, hat das einzelne Wort, vor allem das Wort, welches zur Kritik, zur Frage gewählt wird, eine gewichtigere Bedeutung. Da hat die Zeile eines Gedichtes, das darin verwendete Wort eine Ausstrahlung, ja ein Vers kann plötzlich gefährlich, lebensgefährlich werden. In dieser Hinsicht gewinnt die Vorsicht, die Umsicht mit den Worten eine sehr große Bedeutung. Wir kennen es doch, es gab in Europa sehr, sehr lange die Zensur, ob E.T.A. Hoffmann oder der eben von Ihnen zitierte Beethoven, sie alle hatten mit der Zensur zu kämpfen, und zur Zeit erleben wir eine moralische Zensur, die verschönt <political correctness> genannt wird, aber das nur am Rande vermerkt. ­ Und doch hat wohl die Poesie in ihrer ganzen Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit, in ihrer Stille, wohl eine immense Macht – denn warum wohl verfolgen bis an die Zähne bewaffnete Systeme ihre Dichter! Treibt sie aus dem Land, ins Exil?“

  

Es entstand eine Pause.

 

Durch die großen Fenster des Cafés warf die Dämmerung ihre ersten Schatten.

  

Sie haben recht Signore, die Sprache ist Instrument der Poesie und die Worte und Buchstaben sind die Saiten auf denen wir spielen – und wir müssen sehr klar und sauber spielen, damit diese Musik der Worte auch zum Klingen sich erhebt, zum poetischen Klang werden“, brach Paola das Schweigen.

 

Es hat jedoch sehr den Anschein, als sei unser Instrument recht verstimmt, auch verstaubt, geradezu altersschwach was den Klang dumpf und unsere Ohren taub macht“, sinnierte Signor Furtunati.

 

Weniger dumpf als eher laut, so laut, dass man nicht nur Ohren- sondern auch Bauchschmerzen bekommt, und am lautesten spricht, was sag ich, schreit man, in der Politik, und dass nicht nur in Italien, aber hier besonders und leider unmusikalisch dazu – nun, darum trinke ich ja auch meinen Magenbitter.“

 

Ein verständnisvolles Lächeln flog über die Gesichter der Runde.

 

Darum heißt Vorsicht in der Lyrik eher mit Bedacht die Worte wählen, behutsam, vorhersehend. In einer Diktatur, so demokratisch sie sich auch gibt, kann leider das Wort Freiheit nicht so einfach in einem kritischen Zusammenhang gesetzt werden, hier ist die Metapher gefragt“, schloss ich meinen Gedanken vorläufig ab.

 

Bravo Signore“, rief Paola „und genau darum müssen wir hier – in der noch! freien Welt – mit Mut, mit Risiko, Gedichte schreiben, damit dass Wort ein Pfeil wird, und dieser Pfeil muss zielsicher treffen, muss auch schmerzen, wenn notwendig!“

 

Also zielsichere Gedichte? Ist das in einem Liebesgedicht, einer Elegie möglich, Signore Paola?“, fragte der Fernet-Branca Herr.

 

Auch das, auch dort, warum nicht? Und der Liebespfeil ist vielleicht doch der Schönste!“

 

Und der tödlichste“, meinte er sarkastisch und bestellte ein weiteres Glas seines Magenbitters. 

 

Signora“, begann Herr Furtunati „die Macht der Poesie liegt in ihrer Stille, ihre Fragilität ist ihre Stärke, das scheinbar Paradoxe ihre Erkenntnis.“

 

Glauben Sie wirklich, dass stille Gedichte in der Lautheit wahrgenommen, geschweige denn gehört werden?“ fragte Paola zurück.

 

Sie werden aber gelesen und darauf, vielleicht nur darauf, kommt es an. Ihr Ort ist nicht der Marktplatz, die Börse, sondern wir selbst“, gab ich zu verstehen.

 

Die Signora hat nicht Unrecht, können Gedichte heute noch etwas bewirken? Und haben sie jemals etwas bewirkt?“ fragte jener Herr, dem von der Serviertochter ein neues Glas Fernet Branca gebracht wurde.

 

Mi scusi, Signore“, begann Furtunati, nun zum ersten Mal etwas weniger gelassen, „scusi, Sie fragen ob Gedichte etwas bewirken können? Eigentlich eine unsinnige Frage, scusi, denn sobald wir nach Wirkung fragen, fragen wir nach Absicht und eine Absicht schränkt uns ein, aber Kunst hat keine Absicht, sie hat nur ein kompromissloses künstlerisches Wollen. Faniente. Aber stellen Sie sich für einen Moment vor, die gesamte Poesie dieser Welt, seit Beginn der menschlichen Entwicklung wäre nicht geschrieben worden, die Musik gäbe es nicht und die Kunstwerke der Malerei wären nie geschaffen worden. Was meinen Sie Signor, wäre das wohl für eine Welt?!“

 

Wenn wir es nicht kennen, würden wir es nicht vermissen“ war seine Antwort.

 

Und doch ein faszinierender Gedanke“, entgegnete Paola, „das Unsagbare ist nur durch die Musik und durch die Poesie zu sagen, mit dem Verstand ist es nicht auszudrücken, der Verstand bleibt seltsamerweise in Dingen des Unsagbaren eigentümlich oberflächlich.“ Sie machte eine Pause und fuhr dann fort, “noch etwas, der Verstand kann nicht trösten. Die Vernunft erreicht uns nicht, wenn wir im Schmerz zweifeln, verzweifeln. Ich denke in diesem Zusammenhang, und ich glaube, man darf es auch auf die Poesie bedingt anwenden, an den Ausspruch des großen französischen Mathematikers und Dichters Blaise Pascal, der sagte <Ein Tropfen Liebe ist mehr Wert, als ein Ozean an Verstand>“.

 

Ein schöner, ein wahrer Satz, aber auch gilt der wahre Satz, ein gutes Gefühl ergibt noch kein gutes Gedicht,“ warf ich als Gegenargument ein.

 

Bravo! Signor, das gefällt mir, darauf würde ich fast mit einem vierten Glas Fernet-Branca anstoßen.“

  

Na, probt meine kleine Schwester wieder die Revolution?“ mit diesen Worten und einem Lächeln auf den Lippen war ein junger, lässig aber modisch gekleideter Mann zu uns in die Runde gekommen, zog schwungvoll einen Sessel vom Nachbartisch heran und setzte sich neben seine Schwester. 

 

Noch befindet sich die Revolution zunächst auf dem Gebiet der Poesie, haben also im Moment nichts zu befürchten, übrigens ich heiße Michele di Giacomantonio“ sagte der Fernet-Branca Konsument.

Sie ist Studentensprecherin hier an der Uni in Mailand – Paola kann so was, die Jean d`Arc Milanos.“

Mein großer Bruder Davide, er übertreibt, aber das ist wohl eine Charaktereigenschaft aller großen Brüder.“

Worum geht es denn hier, – wenn nicht um Revolution und Politik, worum dann?“, fragte Davide und bestellte einen Ristretto.

 „Um Poesie“, erklärte ich.

 „Dio!“, rief Davide aus.

 „Was heißt das denn, Bruderherz?“

 „Scusa, aber nebst der Revolution ist die Literatur deine Leidenschaft – aber als Ingenieur sehe ich beides mehr mit Humor, es ist eine angenehme, vielleicht auch anregende Freizeitbeschäftigung.“

So wie Du Davide, die Steine für den Bau einer Brücke benutzt“.

Zement, wir benutzen Zement, Schwesterchen“.

So benutzt die Poesie die einzelnen Worte um ebenfalls Brücken zu bauen, nicht sichtbare, speziell für Ingenieure nicht sichtbar, aber doch existierende. Und dies ist – vielleicht – mutiger und gefährlicher als mit sichtbaren Steinen, Zement oder was auch immer für ein Material, zu hantieren.“

Das Temperament der beiden Geschwister war ansteckend.

Das war jetzt ein guter, ein poetischer Vergleich, Signora Paola“, anerkennend hob di Giacomantonio sein Glas.

Ciao Paola, ciao Davide“ begrüßte eine dunkle Frauenstimme die Geschwister. „hier in großer Diskussion?“

Ciao Graziella, ja in Diskussion, Du kennst uns ja. Es geht um die Frage, ob es für die Poesie Umsicht, Vorsicht, ja sogar Verstand braucht“, erklärte Paola ihr.

Nun, wäre ich Ökonomin oder würde ich in einer Bank arbeiten, müsste ich sagen, es braucht vor allem erst einmal einen Vorstand“, gab Graziella zur Antwort.

Erheiterung war die spontane Reaktion in der Runde.

  

Wie weit seid ihr denn schon gekommen? Ich meine, habt ihr entschieden ob es jetzt Vorsicht und Umsicht benötigt“ wollte Graziella wissen.

Ich glaube es braucht Ehrlichkeit zu den Worten, zu dem Gehör, hören auf den Klang der Worte, ihre Wirkung. Poesie ist auch Sprach-Musik“, meinte Paola, diesmal jedoch eher gedankenverloren als anwesend.

Der Ausdruck Sprach-Musik bringt mich auf einen Gedanken“, begann ich „für mich ist die Lyrik, sind Gedichte, die Kammermusik der Literatur.“

Bravo! Eine wunderschöne Metapher!“, rief Graziella.

Ja, Kammermusik“, meinte Signor Furtunati, „das hat etwas, das macht die anderen Begriffe fast, aber nur fasst überflüssig. Kammermusik komprimiert, so wie ein Gedicht verdichtet. Kammermusik ist polyphon, kontrapunktisch mit homophonen Phrasen, gleich dem Refrain im Gedicht, dissonant in der Harmonie, dadurch kontrastreich akzentuierend und – bei der Kammermusik muss sehr konzentriert zu - und hingehört werden, um der Stimmführung zu folgen, ebenso beim Gedicht, wo jedes Wort Bedeutung hat, oder haben sollte, so wie jede Note, jede Pause, jede Artikulation Bedeutung und Sinn haben muss.“

WOW,“ machte Graziella, „das haben Sie wunderbar formuliert, ja geradezu in Poesie beschrieben. Kompliment!“

Die Runde applaudierte. Selbst das stets ironische Lächeln des Herrn di Giacomantonio war bei diesen Worten in stillem Ernst gewandelt und meinte „Mein Herr, es erweckt den Eindruck, dass Sie viel von Musik verstehen. Spielen Sie selbst Kammermusik?“

Bingo“ war die Antwort mit einem erneuten schalkhaften Ausdruck in seinen Augen.

Und wie ist es nun mit der Poesie, braucht es nun die Vorsicht, die Umsicht, wovon Ihr gesprochen habt?“, fragte Graziella.

In der Musik nennt man das Rückführung des Themas“, bemerkte Furtunati.

Nun“ hob ich an, „Lessing hat es in seinem <Nathan> gesagt, wenn auch nicht in Bezug auf die Dichtung, ich denke aber, wir können diese weisen Sätze durchaus auf die Poesie übertragen.“

Und wie lauten diese weisen Gedanken?“ fragte Signor di Giacomantonio.

Sie lauten: Da müssen Herz und Kopf sich lange zanken / Bei welchem bald der Kopf das Herz / Und bald das Herz den Kopf muss spielen / Ein schlimmer Tausch.

Vortrefflich!“ entfuhr es Paolo begeistert, „Lichtenberg, Lessing, auch zwei dieser gedankentiefen Deutschen.“

Sind sie hier bekannt?“, gab ich mit nicht minderer Verblüffung zurück.

Oh ja! Deutsche Literatur ist in Italien viel bekannter als umgekehrt, von Umberto Eco einmal abgesehen“, erklärte Paola.

Diese Sätze von Lessing treffen wohl mehr auf die Liebe zu“, sinnierte Graziella und ihre dunkle Stimme klang nun noch weicher, geheimnisvoller.

Oh, die Liebe – ein noch weiteres Feld“, wehrte Signor Furtunati ab und hob beide Hände empor.

Eher ein Ozean in dem man ertrinken kann“ meinte Signor di Giacomantonio sich in seinen Sessel zurücklehnend, gleich so, als wolle er die Liebe beobachten, sich aber niemals auf diesen Ozean begeben. –

Darum, lieber Giacomantonio, kehren wir lieber zur Poesie zurück, die aber auch ein Ozean ist.“ Signor Furtunati nippte an dem nun schon kalt gewordenen Espresso und fuhr fort, „unsere Diskussion zeigt doch, wie aktuell das Gedicht ist, die Poesie ist – sonst würden wir uns doch nicht darüber die Köpfe heiß reden – und ich bin sicher, sie wird nie untergehen, nie in Vergessenheit geraten. Sie wird mal mehr, mal weniger im Bewusstsein der Menschen präsent sein, aber, sie wird immer existieren und wohl erst dann endgültig sterben, wenn auch dieser Planet sterben sollte. Was uns ja die Wissenschaftler“, dabei schaute er leicht süffisant auf Davide, „sogar mathematisch vorrechnen, also in knapp fünf Milliarden Jahren ist es soweit – nun, da haben wir noch Zeit, um über Poesie zu sprechen, sie bleibt existent!“

Wie das Geld und die Steuer!“, meinte Signor di Giacodimantonio.

Das ist noch die Frage, was älter ist: das Geld oder die Poesie? Und das frage ich, sogar als Ingenieur“.

Ob Geld, ob Poesie zuerst – feststeht, nichts, keine Ideologie, Diktatur, Gewalt oder Virtualität hat und kann die fragilste Ausdrucksform der Sprache, das Gedicht, zerstören“, erklärte Paola mit einem, schon fast triumphalen Ton in ihrer Stimme.

  

Es entstand eine erneute Pause.

Der Abend hatte sich über die Stadt gelegt und der Corso wurde nun von den Reklamebeleuchtungen, Straßenlaternen und den Geschäften bestrahlt. Auch dies hatte Poesie.

Ich schaute auf die große Uhr, die im Café hing.

Ommiodio!“ entfuhr es mir, „es ist ja schon spät, ich muss zum Flughafen.“

Sie fliegen nach Halifax, sagten Sie, richtig?“ fragte Signor Furtunati.

Ja, und von Halifax aus fahre ich auf die Halbinsel Cape Breton.“

Das klingt einsam“.

Oh ja, das ist es!“

Und was machen Sie dort?“

Sie werden es nicht glauben – Gedichte schreiben“.

 

Die Überraschung auf den Gesichtern meiner Mitdiskutanten war nicht zu übersehen und mit einem sanften Raunen vermischt.

Ich nahm meine kleine Reisetasche, warf ein <buona serata> in die Runde und eilte zum Ausgang, wo mir dann noch – quasi im Chor – <buon viaggio e buona fortuna> nachrufend gewünscht wurde.

 

 

 

* * *

 

 Im Jahre 2014 war er Präsident der PRO-LYRICA, Schweizerische Lyrische Gesellschaft, Schaffhausen.
Lyrik  (Auswahl)
Scherzo – Gedichte über Komponisten, Visualisierung Ursula Berghorn, Malerin,

Verlag artepura-puraarte, Zürich 2014

Licht getragen von Säulen – Gedichte über die Vila San Michele auf Capri, Italien
Photos von Jaciara Ferreira Salvador/Brasilien

Verlag artepuara-puraarte, Zürich 2013

Das wohltemperierte Wort – Aphorismen, Lyrik,
Visualisierung Ursula Berghorn, Malerin

Verlag artepura-puraarte, Zürich, 2013

Der Tod ist ein Don Juan – Gedichte und Aphorismen

Verlag artepura-puraarte, Zürich 2011

Stich-Worte- Aphorismen 

Verlag artepuara-puraarte, Zürich, 2010

Wo der Wind verweilt – Gedichte über Brasilien,
Illustriert mit Aquarellen und Zeichnungen von Jaciara Ferreira, Brasilien
Verlag artepura-puraarte, Zürich 2000

Stimmen der Stille – Gedichte

Edition L, Lossburg 1991
Siehst du den Abend noch? Gedichte
Bläschke Verlag 1983
Prosa (Auswahl)
Anfänge der modernen Lyrik in «In Allem›, Essays und Gedichte, 25 Jahre Pro Lyrica», 
Schaffhausen 2013

Das Lächeln der Eva oder warum Adam in den Apfel biss, Glossen, Satiren, 

Verlag artepura-puraarte, Zürich 2007

Fragmentarische Gedanken zur Kunst, Essay 

Frieling Verlag Berlin 2004

Farb-Polyphonie, Einführung in das Bildnerische Werk von Ursula Berghorn, Schwester des Autors 

Verlag artepura-puraarte, Limitierter Druck, Zürich 2001

Was ist Improvisation, Essay 

Verlag artepura-puraarte, Zürich 1998

Über das Schweigen, Essay-Sammlung 

Verlag artepura-puraarte, Zürich 1998
Kritiken (Auswahl)
«... besonders erwähnenswert sind schließlich die Gedichte von Paul-Bernhard Berghorn. Denn in seinen Werken passen Form und Inhalt perfekt zusammen.» 
                Daniel Lay, Schaffhauser Nachrichten, 12/2010
«... Paul-Bernhard Berghorn überzeugt mit seiner Rhetorik, gekonnter Reduktion und Gedankenreichtum. In der Kürze liegt oft die Macht des Tiefsinns.» 
                Jurga Ruesch, Schaffhauser Bock, 7/2011
«... Dieser Aphoristiker, dieser Poet, hat einiges zu sagen, was aus seiner Warte betrachtet, anders aussieht als bei anderen Beobachtern. Seine Darlegungen sind inter-polykulturell, mehr universell als viele andere Weisheiten, die oft auf kleinkarierter Küchendecke zustande kommen.»
                Sybille Forster-Rentmeister, Echoworld Communication, Toronto, 10/2007
«... Die Lyrik von Paul-Bernhard Berghorn ist realitätsdicht in ihrem Anspruch, virtuos in der Ausdrucksfähigkeit.»
 Hans W. Zink, der Literat, Frankfurt/M, 3/1992
Internet
www.artepura-puraarte.com
www.echoworld.com

www.prolyrica.ch
Facebook Paul-Bernhard Berghorn
Mitgliedschaften

<Pro Lyrica> Schweizerische Lyrische Gesellschaft, Winterthur 
<Ai Miracoli> Musica, Centro Culturale, , Venecia, Italia;  
Künstlerkreis Porta, Zürich
Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren, Nürnberg- Wien
Schweizerischer Verein für die deutsche Sprache SVDS, Thalwil/ Zürich 
Museum Rietberg, Zürich, Museum für Kunst aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien
Lexika

Deutsches Schriftsteller Lexikon, Dietzenbach/D 2003
Kontakt  oxford1@bluemail.ch

 

 


GABY G. BLATTL

 

geb. 1944 in Wien; vornehmlich Lyrik (frei rhythmisch und in gebundener Form), Dreizeiler verschiedener Themenkreise und Kurzprosa.
Lesungen in Österreich, Deutschland, Polen seit 1987.
Veröffentlichungen:
GEDANKEN,‘88,
WAKA ‘90,
JUGENDSTIL ’94, Kreis der Freunde, Walchum
SO, WIE TRÄUME ENDEN (Buch und CD)2001 – Edition Club d’Art – International, Klagenfurt
PHANTASIE EINER REGENNACHT (Buch und CD) edition Musagetes, Wien
und in österreichischen und internationalen Zeitschriften und mehr als 50 Anthologien. Übersetzungen in diverse Sprachen, wie Polnisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Chinesisch und Japanisch. Zahlreiche Vertonungen und Aufführungen durch Norbert Herzog.
Planung und Organisation der Reihe ‘Musik und Poesie’ seit 1997 in Wien.
Neben meiner eigenen schöpferischen Arbeit ist es mir ein Anliegen, Künstler verschiedener Genres zu gemeinsamen Arbeiten und Aktivitäten zu inspirieren.
2001-2008 Repräsentantin der Gesellschaft für Lyrikfreunde für Wien; in dieser Gesellschaft mit der Abwicklung des Leserpreises und des Othmar-Seidner-Jungautorenpreises betraut.
2003-2008 Herausgabe der vierteljährlich erscheinenden ‚Lyrikblätter’.
2003-2008 Herausgabe der jährlich erscheinenden Anthologie des Othmar-Seidner-Jungautorenpreises.
Seit 2004 Obmann der Kulturgemeinschaft DER KREIS.
2007 Gründung der edition Musagetes (bisher 24 Titel erschienen; darunter Othmar Seidner, Karl Karpisek,  Thomas Rackwitz, u.a.)
Anthologie junger Autoren im Rahmen der IgdA 2015 'die nacht in der …' und 2017 'Weggabelungen'
Anthologie einiger Mitglieder der IgdA 'Feuertanz der Poesie', 2015 und 'Feuertanz der Poesie II, 2017 
2018 - 2017 Geschäftsstelle der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e.V. (IgdA).

Redaktion 2008 - 2018 Redaktion der Zeitschrift IGdA-aktuell; Vorstandsmitglied der IGdA
Mitglied des Kulturvereins 'Anima incognita', Wien

Kulturverein Der Kreis, Wien

Signathur, Schweiz

 


Gerd Egelhof

www.gerd-egelhof.de 


 

Karl-Heinz Garnitz
geb. 03.05.42 in Bamberg, wächst in Bamberg auf und besucht dort die Grundschule und das Gymnasium. Während der Schulzeit beginnt das Spielen mit Worten und es entstehen erste Gedichte und Prosastücke. Einige von seinen frühen Gedichten sind u.a. in seinem Band „Lesebuch für Alpha-beten“ veröffentlicht (Passau 2009). Nach der Schulzeit folgen Aufenthalte in Garmisch-Partenkirchen und auf der Isle of Man im Hexenturm des Autors Gerald B. Gardner. Von 1964 bis 2003 ist Garnitz als Assembler- und Cobol-Programmierer sowie als IT-Organisator und Internetdesigner bei staatlichen und kommunalen Verwaltungen in München und Passau angestellt.
 
Ab 2003, nach dem Eintritt in den Ruhestand, findet Garnitz wieder genügend freie Zeit zum Schreiben. und arbeitet bis 2016 in Waldkirchen (Niederbayern). Im Januar 2016 zieht er aus Altersgründen mit seiner Frau nach Passau um. Garnitz hat sich seit frühester Jugendzeit nicht nur mit schöngeistiger Prosa und Lyrik auseinandergesetzt, sondern auch mit grenzwissenschaftlichen, okkulten und religiösen Themen. In seinem 2012 erschienenen Band Tatsachen, Irrtuemer, Wirrtuemer – Ausflug in normale und absurde Welten (Passau 2012) beschäftigt sich der Autor u.a. mit sogenannten „grenz- wertigen Typen“ und „dunklen Sachverhalten“ aus okkulten und religiösen Bereichen.
 
Im Jahr 2007 erscheint im Waldkirchner Eigenverlag sein Band Michael contra Mithras als ein magisch-religiöser Kultroman, welcher die Einweihungsriten und Lebensumstände der letzten Mithraten zu spätrömischer Zeit beschreibt. 2008 hat Garnitz den Stoff dieses Romans komplett überarbeitet, neu aufbereitet und unter dem Titel  DODICHEUS – Der Untergang der Mithrasreligion (Berlin 2009) ver- öffentlichen lassen. -
 
Der Roman ES BEGANN 1964 – Lebenslinien eines Computerfreaks erscheint 2011 in Berlin und ist ebenso als elektronische Resource vorhanden. Garnitz erzählt in diesem Band die Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Abitur nach München zu seinem Bruder Leo zieht und dort die Liebe seines Lebens und einen Job als Programmierer findet. Im Roman wird das EDV-Computerwissen aus der Frühzeit der Informatik leicht verständlich dargestellt und in eine Münchner Liebesgeschichte hineinverwoben.
  
Bisher erschienene Werke: Stand 30.10.2016
 Michael contra Mithras – Magisch-religiöser Kultroman, Eigenverlag, Waldkirchen, 2007
DODICHEUS – Der Untergang der Mithrasreligion. Berlin 2009
LESEBUCH für Alphabeten – Lyrik und Prosa. Passau 2009
ES BEGANN 1964 – Lebenslinien eines Computerfreaks. Berlin 2011
Für Gratulanten und Sympathisanten. Passau 2012
TATSACHEN – IRRTUEMER – WIRRTUEMER. Passau 2012
SAMMELSURIUM ZUM NACH-DENKEN. Passau 2013

 

Esoterisches Handbuch für Säuglinge des Lichts, 2018

unter dem Pseudonym Frater Khamose

ist ab sofort im Buchhandel erhältlich:

 


Helmut Glatz

Geboren 1939 in Eger. Studium der Pädagogik und Psychologie in Augsburg und München.   Rektor i.R. Gründer des Landsberger Autorenkreises. Spielleiter des Marionettentheaters „Am Schnürl“ in Kaufering.
  
Mitglied in folgenden Organisationen:
Eva-Mitterer-Gesellschaft, Wien.
Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck (Repräsentant für Bayern).
Gründer des Landsberger Autorenkreises.
Katholischer Schriftstellerverband Österreichs, Wien.
IGDA Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren.
  
Werkverzeichnis (Auswahl):
1972 Die gestohlene Zahnlücke (Kinderbuch), auch als Taschenbuch und als Schallplatte.
1975 Kolja reitet auf dem Herbstwind (Kinderbuch), auch in Blindenschrift.
1998 Herr Keller verpuppt sich (phantastische Geschichten).
2003 Elfenschloss und Krakenstadt (phantast. Kinderbuch).
2004 Das Wirtshaus im Sachsenrieder Forst (Märchen für Kinder und Erwachsene).
2005 Sturm im Widiwondelland (phantast. Kinderbuch).
2007 Wanderer in Schattenwelten (phantast. Geschichten).
2007 Kennen Sie Nathalie Rülps (Nonsens und heitere Gedichte).  
2010 Der Gesichtsverkäufer, 58 Charaktere (Nonsensgeschichten).
2012 Radibutz im Hut oder von der Schwierigkeit, in 85 Kapiteln eine kleine Maus zu erziehen (Mäuse-Entwicklungsroman)
Furtună ĭn Ţara Widiwondelilor. Sturm im Widiwondelland in rumänischer Übersetzung. Übersetzer: Edmond Nawrotzky-Török.
2016 Professor Mistelmiefs gesammelte Ungereimtheiten (Heitere Gedichte).
2017  Mein Hut, mein Onkel und ich - Geschichten ohne Netz und doppelten Boden,
          Autumnus Verlag, Berlin
Kurzspiele und Schulspieltexte:
Clown? Schööön! Sieben Szenen aus dem Koffer. Impuls Verlag 2014.
Silotin das Wundermittel/ Die gestörte Schreibmaschine. Bärenreiter Spieltexte.
Der Heuschreck auf Quartiersuche. Unda Verlag Stubenberg.
Vorhang auf. Unda Verlag Stubenberg.
Dornröschen auf Wanderschaft. Unda Verlag Stubenberg.
Graf Knickerbocker und die Zauberoma. Unda Verlag Stubenberg.
Der Spiegelschwab in Landsberg, in: Vorhang auf, die Kinder kommen, Theaterstücke für Kinder. Net Verlag Hennef 2011.  
Das fliegende Schiff, in: Von Gespenstern bis zum Kasperl, Theaterstücke für Kinder. Net Verlag Hennef 2014.  
Hans im Glück und der Stein der Weisen, Atlanta Theaterverlag Stage Company razzopenuto Berlin 2014.
Zahlreiche Preise und Auszeichnungen.


Willy Hänscheid
Jahrgang 1933, verheiratet, 3 Kinder, lebt im Rhein-Siegkreis.

Im Alter von zwanzig Jahren veröffentlichte er bereits die ersten Kurzgeschichten in einer großen westdeutschen Zeitung. Eine Karriere als Autor schien vorgezeichnet. Er erkannte jedoch bald den schwierigen Weg, den man zum Erfolg beschreiten muss, und er wechselte, gegen den Rat des Redakteurs dieser Zeitung, auf einen vermeintlich einfacheren Weg, der ihn in die Technik führte.
Es folgten die Ausbildungen zum Technischen Zeichner, Maschinenschlosser, Industriemeister, Konstrukteur, Mess- und Regeltechniker und Technischen Autor.
Er arbeitete bei verschiedenen namhaften Firmen in der Konstruktion, war zeitweise für Inbetriebnahmen großer Anlagen im Inland und Ausland zuständig und später nur noch als Technischer Autor tätig.
Diese Tätigkeit hat auch seinen Schreibstil geprägt, denn die Texte bestehen aus kurzen, schnörkellosen und verständlichen Sätzen (Beurteilung einer Literaturagentur). Das war eine Voraussetzung für die technischen Anweisungen, die natürlich von jedem Hilfsarbeiter verstanden werden mussten.
 Der Autor hat bisher an die 300 humorvolle, satirische Kurzgeschichten und über 350 Diese Tätigkeit hat auch seinen Schreibstil geprägt, denn die Texte bestehen aus kurzen, schnörkellosen und verständlichen Sätzen (Beurteilung einer Literaturagentur). Das war eine Voraussetzung für die technischen Anweisungen, die natürlich von jedem Hilfsarbeiter verstanden werden mussten.
 Der Autor hat bisher an die 300 humorvolle, satirische Kurzgeschichten und lustige Gedichte verfasst.
In manchen Kritiken vergleicht man ihn schon einmal mit Kishon, Erhard oder Ringelnatz. Aber er schreibt natürlich auch ernsthafte Gedichte, Erzählungen und Romane.
 
Kurzgeschichten und Gedichte zum Beispiel in 7 Tage, Siegkurier, Stadtmagazin, 65er Nachrichten (eine Zeitschrift für Senioren der Kreisstadt Siegburg, die weltweit auch an deutsche Auswanderer verbreitet wird), Live, IGdA-aktuell, Jahrbuch des Rhein-Siegkreises, Kölnische Rundschau, Maskenball, das boot, Lyrische Seiten, Mauerbruch, Matinee, Faltblatt, Betriebszeitung der Firma Intec.

Außerdem hat er an folgenden Büchern mitgewirkt:

Kinder sind unser Leben, erschienen im wort und mensch-Verlag, Ingendorfer Weg 71, 50829 Köln. Internetadresse: www.wortundmensch.de
Ernst und heiter, erschienen in der Edition Wendepunkt, Hebbelstraße 6, 92637 Weiden.
IGdA-Almanach 1999 und in verschiedene Anthologien, die im Zwiebelzwerg Verlag erschienen sind oder noch erscheinen werden.

Bücher
Ein Kleingeist schreibt (humorvolle und satirische Kurzgeschichten, bei deren Lektüre der Leser endlich wieder einmal schmunzeln kann. Garantiert). Erschienen als Taschenbuch und in der 2. Aufl. als Hardcover im Mauer Verlag, Wittenberger Straße 51, 72108 Rottenburg, www.mauerverlag.de
Eine moderne Epidemie (humorvolle Kurzgeschichten), auch als Taschenbuch im Mauer Verlag erschienen.
Nur ein paar Worte (über 100 lustige Gedichte mit einer ausführlichen Anleitung im Anhang, wie man mit diesen Versen einen humorvollen Vortrag für eine Geburtstagsfeier einfach und ohne große Mühe gestalten kann). Erschienen im Zwiebelzwerg Verlag, Klosterstraße 23, 34439 Willebadessen, www.zwiebelzwerg.de
Lichte Tage im dunklen Herbst (In diesem Roman wird die ungewöhnliche Liebesgeschichte zweier Senioren als Ermunterung für alle ältere Menschen, auch ihre Gefühle im Alter auszuleben, einfühlsam geschildert. Leider toleriert auch unsere moderne Gesellschaft immer noch die Liebe in der Jugend, reagiert aber mit Unverständnis auf die gleichen Bedürfnisse im Alter). Das Buch wird 2005 ebenfalls im Mauer Verlag erscheinen.
In den Kurzgeschichten und Versen betrachtet er die Phänomene und die Auswüchse der modernen Zeit mit einem lachenden und einem weinenden Auge, vergleicht sie spöttisch mit den sogenannten guten, alten Zeiten "Aus der Sicht eines Grufties", wie er sich selbst einmal in einem Titel ironisch bezeichnet hat.

Leseprobe (aus dem Buch Ein Kleingeist schreibt)

Wir lassen uns liften

Ich stand vor dem Spiegel. Mein Aussehen gefiel mir überhaupt nicht mehr.
"Das ist dein Alter", sagte meine Frau und schaute ebenfalls prüfend in den Spiegel.
"Dir kann nur noch einer helfen."
"Und wer?"
"Der Schönheitschirurg", sagte meine Frau.
"Ach ja?"
"Das Gesicht liften, den Bauchspeck absaugen ..."
"Und Silikon", unterbrach ich sie.
"Was willst du mit Silikon? Schließlich hast du keine Brüste."
Sie betrachtete mich wie ein Schneider beim Aufmaß für einen neuen Anzug.
"Obwohl ..."
"Obwohl was?"
"Dein Busen ist auch nicht zu verachten."
"Das sind Muskeln", stellte ich entrüstet klar.
Sie war da ganz anderer Ansicht und hielt mir einen Vortrag über Fettpolster. Etwas später hielt sie mir ein Blatt Papier unter die Nase.
"Was ist das?"
"Das Prospekt eines Schönheitschirurgen."
"Und was soll ich damit?"
"Anschauen", sagte meine Frau. "Sieh hier dieses Gesicht! Das ist vorher und das ist nachher."
Das erste Bild zeigte ein ziemlich zerfurchtes Gesicht. Auf dem zweiten Bild war kaum noch eine Falte zu erkennen.
"Das ist ein gewaltiger Beschiss", sagte ich.
"Und wieso?"
"Hier dieses faltenlose Gesicht ..."
"Ja?"
"Du willst mir doch nicht sagen, dass es die selbe Person ist."
"Aber ganz sicher", meinte sie bestimmt. "Die Haut wird gerafft."
"Ach!"
"Man löst die Haut und zieht sie nach oben, bis alles ganz glatt und straff ist."
"Und was ist dann mit den Ohren?"
"Die werden wieder neu eingepasst."
"Was du nicht sagst!"
Ich betrachtete wieder eingehend das Bild.
"Man kann es auch ausfüttern", sagte meine Frau.
"Mit Silikon?"
"Nein, sicher nicht mit Silikon."
"Sondern?"
"Ich weiß es auch nicht so genau", gab sie schließlich zu.
Ich schaute sie an.
"Und es sind doch zwei verschiedene Personen", stellte ich nach einer Weile fest.
"Wieso?"
"Schau hier! Auf diesem Bild nach dem Liften hat die Person etwas am Kinn, was in dem runzeligen Gesicht offensichtlich fehlt."
Meine Frau betrachtete beide Bilder sehr genau und meinte: "Es könnte ein Grübchen sein."
"Das glaube ich nicht."
"Es sieht aber so aus."
"Und wenn schon."
Meine Frau ließ das Blatt sinken.
"Was soll es denn sonst sein?", fragte sie nach einer Weile ärgerlich.
"Es wird der Bauchnabel sein", sagte ich und verzog mich vorsichtshalber aus ihrer Reichweite.


Marina N. E. Hillen

20 Jahre alt, studiert in Leipzig.

Lyrikerin; Teilnahme am Jungautorenpreis 2017

Gedichte erschienen in dem Sammelbändchen 'Weggabelungen' der IGdA.

 

 

 

ICH BIN EIN WOLF

 

 

 

Ich stehe im Regen der Wüste Zwischen meinen Schultern

                       Meine Füße werden von spannt sich die Macht

                       den roten Körnern umspült meiner selbst

                       Das Wasser ist warm Ich renne leise

                       Ich hebe die Arme durch die Wälder der Stadt

                       den Mond zu begrüßen Atme deine Freiheit

                       Das Licht ist Die Luft ist erfüllt vom Lärm

                       wunderschön eures Glücks

                       Ich weiß, ich kann mich Ich rieche den Duft

                       jeden Moment einfach eures Lebens

                       fallen lassen Die steinerne Seele des Schicksals

                       Denn schließlich bin ich Meine Lungen zerfallen

                       ein Mensch in goldene Funken

                       Ich fühle mich lebendig Das Leben ist es doch wert

                       Die Stille gibt mir oder du

                       mein Augenlicht zurück Der Wolf in meinem Herzen

                       Ich kann die Schönheit liebt das Lamm in meinem Kopf

                       der Endlichkeit Meine Schritte

                       erkennen werden immer

                       Ein bisschen viel leichter

                       für einen Tag Federnde Pfoten

                       Der Wolf in meinem Herzen auf grauem Asphalt

                       jagt das Lamm in meinem Kopf Alles ist gut.

                       Auf meinen Armen

                       bildet sich Fell

                       Ich weiß sicher

                       meine Augen sind gold

 

 

 

 

 

ERNST MEINER SEELE

 

Ernst meiner Seele,

                              wärst du nicht gern ein wenig heiter?

                              Sei nicht blind,

                              unstetes Zweifeln an Gut.

                              Zögere nicht, die brennende Faust

                              des Donners zu lieben.

                              Eisblaue Türme aus Feuer

                              ragen in den zarten Nebel aus Lüge.

                              Ernst meiner Seele,

                              wer will dich hören?

                              Würdest du vom Sommer sprechen,

                              fielen doch die faulen Blätter zu Boden.

                              Und ehe man träumt,

                              schon alle

                              erfroren.

                              Ernst meiner Seele, sei für dich

                              ein wenig heiter.

                              Schweigen ist blind.

 

 

ZEITLOS

 

Das Ticken der Uhr an der Wand,

                        das Ticken der Uhr meiner Gedanken.

                        Eingehüllt in blasse Wolken,

                        ausgehöhlte Stille,

                        jeden Reiz verloren.

                        Der Blick auf die Zeiger

                        als erneuter Beweis;

                        Licht fällt durch das Glas,

                        bricht vor meinen Augen

                        in farbige Strahlen.

                        Meine Hände greifen danach.

                        Das Ticken der Uhr an der Wand,

                        das Ticken der Uhr meiner Seele.

                        Stürmisch aufgepeitschte See,

                        Hand in Hand,

                        mein Lächeln flackert im Wind.

                        Die Arme als Flügel,

                        mein Herz schnappt nach Luft,

                        die Leere zu fühlen!

                        Angst, mich selbst

                        in der Menge zu verlieren.

                        Das Ticken der Uhr meiner Seele

                        setzt einen Schlag aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Gabriele von Hippel-Schäfer studierte in Göttingen und Bonn und geht anschließend als Lektorin für deutsche Literatur nach Cambridge. Zwei wichtige Jahre blieb sie in England, eine Zeit, die sie ein Leben lang bereichert hat. Tätigkeit im Schuldienst.
Gesicht und die Geschicke der IGdA wurden von der Dicheterin wesentlich mitbestimmt, sie ist seit 1988 Mitglied und gehörte von 1990 bis 2000 dem Vorstand an.
Ausgezeichnet mit der Rudolf-Descher-Feder.

 

Aufbrechen der Schneckenhäuser
knirschend - und nackt, verletzlich das Fleisch
windet sich, möchte geborgen
daheim sein in eigenstem Winkel.

Schnecke, der Wind weht!
Wüstensand, Gletscherkälte
in seinem Atem. Nahe Nöte
aus allen Fernen der Welt.
Kein Versteck mehr als Heimat.
Heimat nie mehr Versteck.
Dein Haus muss die runde
Erde sein, deines und deins
und auch deines!

Aufbrechen der Schneckenhäuser
knirschend - noch mag es schmerzen.

Veröffentlichungen:
4 Eigenbändchen Lyrik (Stein und Stern, 1978; Lieber hinter dem Mond ..., 1984; Leih mir Atem, 1989; Aus dem Dachfenster gesehen, 1996), 2 mit Erzählungen (Die Braut ist glücklich, 1985; Ein Teppich mit Ranken, 1991).
Mitarbeit an Loseblattlexikon und zahlreichen Anthologien; viele Beiträge (Lyrik, erzählende Prosa, Essays, Rezensionen) für Zeitschriften und Zeitungen; auch im WDR


Veronika Keuschnigg-Kerber
geboren am 18.10.1967 in Tirol.
 
Ich wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in einer Bauernfamilie im idyllischen Bergdorf Steeg auf.
Heute bin ich verheiratet, Mutter von vier Kindern und als Bäuerin und Wortwerkerin tätig.
  
Veröffentlichte Gedichte in Gedichtbänden und Anthologien:
 
2011-2014 (Jahrbuch der Frankfurter Bibliothek)
Farbenbrücken, Kastanienkerzen, Zeit für Freunde (Engelsdorfer Verlag).
2013 „Tränen des Glücks“ (Aurora Verlag)
Ausgewählte Werke XVI. (Bibliothek deutschsprachiger Gedichte).
Lyrischen Lorbeer 2013 (Lorbeer Verlag)
Menschen unterm Sternenhimmel und Frauen - Männer: Anthologie – DUO (Elbverlag)
  
Die Macht der Worte…
 
Auch nur wenige Worte sind imstande-.
unzählige Bilder zu erschaffen.
Als Appell der Fantasie an
Assoziationen, Obsessionen, Sehnsüchte
in der grenzenlosen Weite
unseres Erlebens und Empfindens…


 

Luitgard
Kasper – Merbach

 Als 2. Tochter der Gertrud und des Dr. Alfons Kasper wurde ich am 18. 07. 1958 in Schussenried, später Bad Schussenried geboren. Mein Vater war Kunsthistoriker und ab 1962 Autor und Verleger (Dr. Alfons Kasper Verlag Bad Schussenried) der Reihe „Kunstwanderungen“ und seiner Autobiographien. Schon während meiner Kindheit entdeckte ich, angeregt durch den Vater, meine Lust am Erzählen und Schreiben und veröffentlichte einige Gedichte in Zeitschriften. Die Schulzeit verbrachte ich in Bad Schussenried und Biberach. Dann studierte ich von 1978 – 1982 Sozialpädagogik an der Fachhochschule in Esslingen mit Abschluss Diplom – Sozialpädagoge (FH). Danach erhielt ich meine 1. Anstellung an der Sonderschule für mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche. 1983 steuerte ich in den Hafen der Ehe mit Wolfgang Merbach. Ziemlich rasch folgten unsere 3 Kronprinzen „David“ (1984), Damian (1985) und Manuel (1987). Dennoch blieb ich beruflich immer aktiv, anfangs mit Honorartätigkeit, später als sozialpädagogische Leiterin des Treffpunkts für Alleinerziehende, heute als Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpädagogik.
Aber auch die Literatur ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich beteiligte mich an der Literaturwerkstatt und bildete mich in Kursen, Fernstudien und Funkkollegs weiter. Im März 2001 schloss ich mein Fernstudium „Literarisches Schreiben“ an der Autoren- Akademie in Frankfurt ab.
Seit 1991 veranstalten mein Mann Wolfgang und ich Erzähl – und Zaubernachmittage zugunsten der tumor – und leukämiekranken Kinder in Ulm.
Im Verlag meines Vaters, der 1986 verstarb und dessen Arbeit wir aufrecht erhalten wollen, erschienen insgesamt 5 Bücher von mir: „Herbstzeitlose“, Lyrik und Prosa; „Wurzeln und Weite“, Lyrik und Prosa“, „Wie schön, dass es Euch gibt“, Erzähl – und Malbuch“, „Herr Mohrer lernt zaubern“ realistisches Kinderbuch; „FensterBilder“, Geschichten und Gedichten.
Außerdem habe ich eine Reihe von Kunstkarten verlegt.
Etliche Gedichte und Kurzgeschichten wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, u. a. auch schwäbische Glossen.
Für einige Werke erhielt ich Anerkennungen und Preise, z. B. Förderpreis der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren 1999, Kreissiegerin des Landeslyrikwettbewerbs der Sparte „Profi“ mit dem Gedicht „Am Grab des Dichters“ im Jahr 1999.
Ich bin Mitglied der Autorenvereinigungen „Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren“(seit 1987), der „Signatur“, und des „Arbeitskreises für Jugendliteratur“. 

 

Tulpenzauber

Versinken
in leuchtende
Farbenträume

Einatmen,
Aufnehmen,
Berühren

Tänzelndes
Erspüren

Strahl
um Strahl

Zur Mitte hin
zum Lebenspuls
  
Erwachen

 

Törle

Wahrzeichen
der Stadt

Tor-
Eingang zur Stille
zum Glauben
zum Einssein

Spuren

Tor-
Grenze
und Schutz


Verweilen kurz,

um Schritte
zu finden
die Seele
zu öffnen
  
Ein lass

  


Peter J. Kempf

 

Es war kalt, doch schien die Sonne, an diesem 13. April, an dem meine Cousine zur 1. Hl. Kommunion ging. Ich kam etwas früh. Bereits um 07:00 Uhr wurde die Nabelschnur gekappt, so dass ich rechtzeitig geputzt zur Feier erscheinen konnte. Alice war nicht nachtragend.
Man musste keinen Stuhl beistellen. Alle konnten ihren Hunger stillen, ohne auf meinen Rücksicht zu nehmen, bei dieser Kommunionfeier am Weißen Sonntag 1947 im saarländischen Niederwürzbach. Nach der Volksschule erlernte ich bei den Saarbergwerken das Handwerk eines Elektro-Mechanikers. Dreieinhalb Jahre lang zog ich als Betriebselektriker in 450 Meter Tiefe vor Ort die Strippen.
Dann zog ich die Uniform an und wurde Polizist. Interessant, doch nicht einfach, der Staatsdienst. 1985 sah ich mich genötigt eine Erzählung zu schreiben. Na, ja… Die innerdienstlichen Auseinandersetzungen…
Es sind Jahre in den Wind gegangen. Frau, Tochter, Enkelin und Schwiegersohn bemerkten eines Tages, dass ich das Koppel an den Nagel gehängt und die 9mm auf der Waffenkammer abgegeben hatte. Eine Lesung eines Freundes, der damals noch nicht mein Freund war, brachte mich wieder zum Schreiben.

 

Geh' und komme, was da mag! - R.G. Fischer Verlag
Veröffentlichung von Lyrik in unterschiedlichsten Anthologien

 

Worte
Das Wort wurde in den Tag geschleudert
Gebar im Straßenstaub seinen Sinn
Bewegte sich im Schein des Lichts
Doch Schatten fiel nirgendwo hin
Menschenwort-trownehcsneM 

 

Das Leben
Zeit steht im Raum
          Bewegung ist der Traum
vom Blatt, das fällt.
          Es war einmal...
  

 

Der Weg nach Ultimo
Der Wind treibt die Zeit voran
Er säuselt bloß - kein Orkan
Lässig schlendert er durch den Raum
Leise klingt sein Lied- man vernimmt es kaum
Und die Zeit bewegt sich fort
Hie ein Ort und auch dort
Bleiben auf ihrem Weg zurück
Der immer länger, Stück für Stück

So begeben wir uns von Ort zu Ort
Von West nach Ost, von Süd nach Nord
Wir treiben mit den Winden
Hoffend, das Glück zu finden

Der Wind treibt die Zeit voran
Legt sich plötzlich, kaum dass er begann
Er trieb die Zeit kein großes Stück
Nicht viele Orte blieben am Weg zurück
Nicht weit führte uns des Windes Weg
Er ist zu Ende vor dem Steg
Der uns ins Jenseits führt
Hier wird kein Wind verspürt
Auf der Stelle steht die Zeit
Als Monument der Ewigkeit !

aus "adagio"
  

 

Regenmelodie
Fällt Regen mit kaltem Wind
Heulend und trommelnd, als
spiele ein Kind -
Und werden die Blätter zu
buntem Grau;
scheint auch der Himmel weniger

v.k.-k.


Martin Kirchhoff
 
wurde am 23. November 1954 in Leonberg / Baden-Württemberg geboren, besuchte in Leonberg die Schule, machte die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in Stuttgart, war anschließend in der Verwaltung des öffentlichen Dienstes tätig. Martin Kirchhoff arbeitet nun als Korrektor in einem Zeitungsverlag und wohnt in Weil der Stadt.
Martin Kirchhoff schreibt seit vielen Jahren Gedichte und Kurzgeschichten, mit denen er sich seit Anfang 1984 an die Öffentlichkeit wendet. Seither mehr als 300 Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen, Zeitungen und Anthologien * in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Malta, Russland, Schweden (F), Spanien, Ukraine, China, Israel, Indien, Japan (F), Zimbabwe, Argentinien, Brasilien, U.S.A, Neuseeland. und zahlreichen Lesungen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und Wien. * (F) = Film)
Zu den Gedichten und Kurzgeschichten kommen Satiren und Kabaretttexte hinzu, ferner schreibt er seinen ersten Roman unter dem Arbeitstitel >>Bis das Glas zerbricht<<. 
Martin Kirchhoff besuchte die Literaturwerkstatt im Schriftstellerhaus Stuttgart und etliche Seminare des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.
Zwischen dem 19.10.1998 und dem 2.11.1998 waren zwei seiner Kurzgeschichten im Literaturtelefon Stuttgart hörbar.
Bücher:
Neumondnacht und Augenblick, The World of Books, 1989
Der Felsenlacher. Erzählungen, Alkyon Verlag ISBN 3-933292-60-3, 2002
Im Garten meines Schweigens - Gedichte, Mauer Verlag, ISBN 3-935121-84-9, 2002
Jenseits der Wege - Gedichte, Wiesenburg Verlag ISBN 978-3-942063—91-3, 2011
Der Felsenlacher. Erzählungen< Edition Bärenklau Berlin,Wiederveröffentlichung, E-Book,
Januar 2016
Preise:
Kreissieger Böblingen im Landeslyrikpreis Baden-Württemberg 1999
Kurzgeschichte 2001 – 1. Preis –Bench Press, Grabenstetten Poet 2004,
The International Poetry Translation and Research Centre, Chongquin, China
1. Preis immodestiale’06, Ludwigsburg, März 2006
1. Preis Kurzgeschichtenpreis „Plochinger Einseiter“, Plochingen, November 2006
Lesungen in: Au / Hallertau, Augsburg, Backnang, Baden-Baden, Bad Rappenau, Berlin, Bietigheim-Bissingen, Böblingen, Braunschweig, Calw, Ditzingen, Esslingen, Fellbach, Flawil (Schweiz), Freiburg, Friedrichshafen, Heilbronn, Herrenberg, Karlsruhe, Kirchhheim / Teck, Langen, Leonberg, Leutenbach, Ludwigsburg, Magstadt, Mainz, Marbach a.N., Mühlacker, Murr, Offenburg, Plochingen, Pforzheim, Sindelfingen, Steinheim / Murr, Schorndorf, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Tamm, Ulm, Waiblingen, Weil der Stadt, Weinstadt (Endersbach; Beutelsbach), Weissach, Welzheim, Wildbad, Wien, Winnenden

 


 
Heiko M. Kosow
 
 
wurde 1947 in Wettringen/Kreis Steinfurt geboren. Nach dem Studium der Sozial- und Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und einem Referendariat als Diplom-Sozialwissenschaftler trat ich in den Verwaltungsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Zuletzt war ich Regierungsvizepräsident in Arnsberg. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter und vier Enkel. Heute lebe ich in Münster. Ich bin unter den Platzierten beim Dorstener Lyrikpreis 2013.
  
Im Sommer des Jahres 2011 habe ich angefangen einen Gedanken, ein Gefühl, ein Ereignis oder ein Erlebnis der vergangenen Woche zum Sonntag mit lyrischer Freiheit in ein Gedicht zu fassen. Daher der Titel „Meine Sonntagsgedichte“. Einige Gedichte scheinen eine sehr persönliche Note zu haben. Ich hoffe dennoch, dass sich viele Leserinnen und Leser mit ihren Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen wiederfinden oder ähnliche Wünsche haben … .
  
Bibliographie:
 
Von seinen über 190 Gedichten sind bisher mehr als 160 in 24 Anthologien und Zeitschriften erschienen:
  
Auslese zum Jahreswechsel 2013/2014, Frieling-Verlag, Berlin;
Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte, Ausgewählte Werke XVI (2013), Realis Verlags-GmbH, Gräfelfing;
Das Gedicht lebt – Ausgabe 2013 -, R.G. Fischer-Verlag, Frankfurt;
Der Frühling nähert sich – Erzählungen und Gedichte -, Durante Edition, Engelsdorfer Verlag, Leipzig;
Frühjahr im Schnee – Gedichte-, Peter Frank, Hans Sonntag, Manfred Burba, Heiko M. Kosow u.v.a., Durante Edition, Engelsdorfer Verlag, Leipzig;
frühlings stimmung(s) poesie Band 1 - Frühlings-Anthologie 2013 -, Novum Verlag Neckenmarkt;
frühlings stimmung(s) poesie - Frühlings-Anthologie 2014 -, Novum Verlag Neckenmarkt;
Gedicht und Gesellschaft 2014, Jahrbuch für das neue Gedicht, Brentano-Gesellschaft, Frankfurt;
Gedicht und Gesellschaft 2015, Jahrbuch für das neue Gedicht, Brentano-Gesellschaft, Frankfurt;
Gefundene Ruhe – Gedichte-, Ingrid Baumgart-Fütterer, Heiko M. Kosow, Manuela Angelika Rapino u.v.a., Durante Edition, Engelsdorfer Verlag, Leipzig; 2014
IGdA-aktuell, Organ der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren, 38. Jahrg. 2014 ,Heft 3
Ly-La-Lyrik (2013), Frieling-Verlag, Berlin;
Lyrik und Prosa unserer Zeit – Neue Folge – Band 16, Karin Fischer-Verlag, Aachen; 2013
Lyrische Kopfgeburten – Gedichts-Anthologie-, EPLA-Verlag, Ganderkesee;
nebel streif-zug der Literatur Band 1 - Herbst-Anthologie 2013 – Novum Verlag, Neckenmarkt;
Sommer im Norden – Gedichte-, Durante Edition, Engelsdorfer Verlag, Leipzig;
text cocktail mix Band 1 - Sommer-Anthologie 2013 - Novum Verlag, Neckenmarkt;
Träumende Tonspur - Lyrischer Lorbeer 2014 – Lorbeer-Verlag, Bielefeld; 2014
Weihnachtliches, EPLA-Verlag, Ganderkesee;
Welt der Poesie“ (2013), Frieling-Verlag, Berlin;
winter märchen haft Band 1 -Winteranthologie 2013 -, Novum Verlag, Neckenmarkt;
winter märchen haft - Winteranthologie 2014 -, Novum Verlag, Neckenmarkt; 2014
Wo die Liebe hinfällt – Anthologie-, EPLA-Verlag, Ganderkesee;
Worte reden – Worte schweigen, - Dostener Literaturpreis 2013 -, H.W.-Verlag, Dorsten.


Florin Müller

wurde in Fetesti/Rumänien geboren und verbrachte die ersten vier Lebensjahre in  einem Waisenhaus in Slobozia, in das sein Vater ihn unmittelbar nach der Geburt abgegeben hatte. Im September 1998 wurde er von einem deutschen Ehepaar adoptiert.
"Es war kein glücklicher Umstand, der mein Dasein einst richtungsorientiert der Welt zukommen ließ. Zum Glück gehört Glück, und Glück war nicht mein diensthabender Begleiter, als ich am 2. Dezember 1994 fern eines Gedankens an glückliche Zukunft geboren wurde. Es war vielmehr ein Unglück, solch ein gebrochenes, erdfeindliches Wesen in solch eine erdfeindliche Welt zu entlassen, erdfeindlich, weil sie herzlos und erbarmungslos war.
Glück bahnte sich einen Weg zu mir, denn es waren schöne Leute gekommen, die Lust hatten, keinem richtigen tollen Jungen zu essen zu geben und ihn zu ihrem Kind zu machen, sondern sie hatten Herz für einen entsetzlichen, der Liebe unerfahrenen Jungen und kauften ihn."
Nach vielen Jahren zwischen Verzweiflung und Hoffnung und der vermuteten Diagnose 100% geistige Behinderung erhielten die Adoptiveltern 2004 endlich die Begründung für Florins auffälliges Verhalten und seine Unfähigkeit zu sprechen: Frühkindlicher Autismus (Kanner Syndrom).
Er erhielt nun gezielte Therapien, erlernte die Gebärdensprache und die Möglichkeit, sich mittels Bild-und Wortkarten zu verständigen.
2011 wurde eine Therapeutin in der Schule für geistige Entwicklung, die Florin Müller besuchte, auf ihn aufmerksam und bot ihm das Schreiben am Computer mittels der Methode der Gestützten Kommunikation (FC) an. Ihr fiel auch seine ausgeprägte literarische Begabung auf. Schon nach kurzer Zeit lehnte Florin Müller die Stütze (FC) mehr und mehr ab und äußerte den Wunsch, alleine zu schreiben.
"Während ich über viele Jahre, zu viele Jahre in hoffnungslosem Dasein anwesend war - wohl gemerkt nur anwesend, denn Leben kann man diesen Seinszustand nicht nennen - begann ich nun, nicht mehr nur zu wünschen, sondern auch daran zu glauben, endlich einen wesentlichen Schritt im Leben erreichen zu können und wagte es daher, bereits dieses Ziel als Leben zu bezeichnen und nicht mehr nur als Anwesendsein."
Neben der Schule für geistige Entwicklung belegte Florin Müller 2013 an einer Fernschule Kurse zur Erlangung des Hauptschulabschlusses und konnte diesen vorgezogen bereits nach knapp 15 Monaten mit der Gesamtnote "sehr gut" ablegen.
Auffallend war auch an der Fernschule sein besonderes Interesse am Fach Deutsch und seine besondere Fähigkeit, sich in lyrischer Form auszudrücken.
"Besonders gerne schreibe ich Gedichte. Gedichte gefallen mir sehr gut, denn ein Gedicht irrt sich nicht. Damit meine ich: Es ist das tiefe Innere des Dichters, was er nur auf diese Weise nach außen tragen kann. So geht es auch mir."
Seit 2015 nimmt Florin Müller immer wieder an Literatur-Wettbewerben teil und gehörte im Sommer 2015 mit seinem Gedicht "leben für Leben" zu den ausgewählten Autoren des Wettbewerbs "GrenzenLos Vielfalt leben" im Rahmen der 10. Bonner Buchmesse Migration.
Im November 2016 erschien im Ganymed Verlag sein erstes Buch, eine Autobiographie mit begleitenden Texten seiner Adoptivmutter: "Die Reise zum leuchtenden Stern oder Ein Astronaut im Weltall".
In diesem Buch richtet sich Florin Müller mit folgender Botschaft an die Leser:
"Hiermit möchte ich erreichen, dass trübe, essentiell gegen Euch selbst gerichtete Gedanken weichen und Euch hoffnungsgeladenen Durchbruch wollen, erreichen und auch akzeptieren lassen."
Zusammen mit seinem ebenfalls nicht sprechenden autistischen Freund Julian Bodem, der für das erste Buch u.a. das Titelbild gestaltet hatte, arbeitet Florin Müller zur Zeit an einem zweiten Buch, das voraussichtlich Ende 2017 wieder im Ganymed Verlag erscheint. In "Bilder und Worte des Lebens" möchten die beiden jungen Autoren (Julian Bodem ist Jahrgang 1991) versuchen, ihre Gefühle und Gedanken durch Bilder und Gedichte zum Ausdruck zu bringen und sich dadurch den Mitmenschen ein Stück weit zu erklären.
Veröffentlichungen:
⁃ "leben für Leben" in: BIM e.V. (Hrsg) "GrenzenLos - Vielfalt  leben",  Ausgewählte Gedichte, Literaturwettbewerb zur 10. Bonner Buchmesse Migration, Schriftenreihe Migration und Literatur Band 25, Free Pen Verlag Bonn, 2015, S. 69.
⁃ "leben für Leben", "Schnee", "Danke" in: Jacob, B., Koman, L. u.a. "Der Abend vor Silvester ", Erzählungen und Gedichte, Dorante Edition Berlin, 2015, S.25-26.
⁃ "Lebenshilfe" ein Gedicht zum 50. Geburtstag und Grußwort in: Überblick - 50 Jahre Vielfalt, Magazin der Lebenshilfe Völklingen, 2015, S. 15.
⁃ "Die Reise zum leuchtenden Stern oder Ein Astronaut im Weltall", Ganymed Edition, 2016.

- "Worte und Bilder des Lebens' Florian Müller und Julian Bodem, zwei autistische Freunde verleihen ihren Gefühlen Ausdruck;  Ganymed Edition, 2017.

 

Zahlreiche Leseabende, bei dem Florin Müller über Computer mit dem Publikum kommuniziert, desgleichen Julian Bodem.


Mitgliedschaften:
⁃ Mitglied von "Autism Authors": Leitung Dr. Linda Barboa, Sprachpathologin und Autismus-Autorin, Missouri State University, USA

- Kulturgemeinschaft Der Kreis, Wien
⁃ Referent für den Themenbereich "frühkindlicher Autismus" beim Pädagogischen Landesinstitut Rheinland Pfalz, Speyer.

 

 

 

 

Florin Müller - Julian Bodem, Autisten, sprechunfähig

 

Autorenlesung am 8. Mai 2018 im Salzbrunnenhaus, Sulzbach/Saarland

 

Es war wohl ein Ereignis besonderer Art. Florin Müller, Kanner-Autist, traumatisiert durch vierjährigen Aufenthalt in einem rumänischen Waisenhaus, geschlagen mit einem Körper, der (fast) immer unruhig ist, Augenkontakt, intelligent, talentierter junger Autor, Laute ausstoßend, da sprechunfähig, trifft in seinen Gedichten genau den Punkt, glasklar und doch mit starken Gefühlen. Alleine das ist eine interessante Mischung. Schreiben kann er nur mit Unterstützung seiner Betreuerin am PC, äußert sich sehr differenziert, einfach großartig.

Befreundet ist er mit Julian Bodem, ebenfalls Kanner-Autist, sprechunfähig, Maler. Auch er in Bewegung, allerdings wiegt er sich von links nach rechts, ruhig, kein Augenkontakt. Groß und breit, ein 'gemütlicher Typ'. Auch er schreibbt mit Unterstützung durch seine Betreuerin am PC.

Beide arbeiten miteinander, aber auch alleine. Sie schauen einander in die Augen, ganz tief in den anderen hinein. Wie Julian sagt 'wir sprechen eine Sprache'. Beide haben Hauptschulabschluss.

Im Ganymed-Verlag gibt es von Florin zwei Bücher, eines davon mit Julian. 'Die Reise zum leuchtenden Stern' und 'Worte und Bilder des Lebens'.

 

Gelesen wurde von der Betreuerin Hanne Kloth, die alles managt, von einem Bruder Florins und den beiden Müttern.

Dazwischen wurden Filme über die beiden gezeigt und Ausschnitte eines Films aus dem Waisenhaus. Erschütternder kann kaum etwas sein. Das Publikum bestand aus einem kleinen, interessierten Kreis. Nach dem Leseprogramm konnte man Fragen stellen, die per PC von den beiden beantwortet wurden. Dabei fiel auf, dass Julian Bodem sich kurz und knapp äußert, während Florin Müller sich sehr differenziert ausdrückt.

 

 

 

 


Bernd Schwarz

 

1948 in Untergrombach bei Bruchsal (Baden-Württemberg) geboren.

Pflichtschule, Höhere Handelsschule, Wirtschaftsgymnasium, Praktika; Studium an der Universität Mannheim; Promotion in Erziehungswissenschaft;

wissenschaftlicher Mitarbeiter/Hochschulassistent, Universität Freiburg; Pädag. Leiter in der Erwachsenenbildung Witten/Ennepetal; Habilitation Universität Freiburg; Umhabilitation an die Universität Siegen;  Vertretungsprofessur, Schulpädagogik Universität Tübingen; bis 2013 Professur Universität Koblenz-Landau in Allgemeiner Erziehungswissenschaft und Erwachsenenbildung

 

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, zuletzt (zusammen mit A. Frey, U. Lissmann): Handbuch Berufspädagogische Diagnostik, Beltz: Weinheim 2013

 

Literarische Veröffentlichungen (unter B.S. Orthau):

Der Lebenswein. Burrweiler Geschichten, Books on Demand, Norderstedt, 2005

Spurengarten, Sand. Gedichte u.ä.,  Books on Demand, Norderstedt, 2007

Herman Melville. Gedichte, übertragen von B.S. Orthau, Books on Demand, Norderstedt, 2007

Das vertauschte Grammophon, in: Manuskripte 183/2009, 125-130

Max un Moritz uff Badisch, Lindemanns Bibliothek: Karlsruhe 2010

Die Busch-Manuskripte. Neues von Wilhelm Busch, Books on Demand, Norderstedt, 2011

Herman Melville, Ausgewählte Gedichte - Englisch und Deutsch, übertragen von B.S. Orthau, Books on Demand, Norderstedt, 2016

T.S. Eliot, Das wüste Land, übertragen und mit erweiterten Bemerkungen versehen von B.S. Orthau, in: eXperimenta (www.experimenta.de) 11/2016 (Teil 1 bis 2/2017 (Teil IV)

Prosa in IGdA-aktuell

 

Daneben vereinzelte Gedichte in anderen Publikationen/Sammelwerken, etwa O. Benz/K. Haag, Hg. Einsichten und Ausblicke, Marsilius, Speyer 2008, 110-112


Matthias Stark
1963 in Radeberg geboren, wohnt in Stolpen.
Er veröffentliche Lyrik und Prosa bisher in zahlreichen Anthologien, sowie als Autor und Herausgeber mehrere Bücher.
www.stark-stolpen.de

 


Andrzej Sznajder

  

1950 geboren, polnischer Germanist von Beruf; Universität Lodz absolviert.         Seit  Ende der 90er Jahre freier Journalist, und in den letzten Jahren ständiger Mitarbeiter u. a. der Lodzer Kulturschrift Kalejdoskop und der deutschsprachigen Literaturzeitschrift IGdA-aktuell. Artikel, Reportagen und Essays werden in polnischen, deutschen, ukrainischen und litauischen Zeitschriften veröffentlicht.

 

Bis jetzt erschienen vier Bücher von mir – Aus einem Bauerngeschlecht, Die Geheimnisse von Sieradz und Zdunska Wola, Karsznice, von der Kutsche bis zur Elektrolok und Die Geheimnisse von Lask und Pabianice.

Eben fertiggestellt: Auf den polnischen Spuren von Franz Theodor Csokor

 

Mitglied der Gemeinschaft Polnischer Journalisten und der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA).

 


Sabine Vess

 

Ich liebe Peru seit meinem ersten Aufenthalt dort am mächtigen Ukayali in sumpfiger Hitze Tag und Nacht.
Im Denguefieber würge ich meine Mutter - sie ist tot, ist ja schon tot - höre mich lachen, entsetzlich lachen. Du stirbst erst beim zweiten Anfall, immun wirst du nicht.

 

Dann werde ich gebeten die Kreativität von Webern, Gold- und Silberschmieden und Töpfern der Anden zu schüren; in dünner Luft, brennenden Mittagen, kalten Nächten, Höhen überwindend, die mir Himmel und Erde blutdurchtränken.
Nicht einschlafen, höre ich, nicht einschlafen.
Wieder fahren wir von Lima nach Norden durch die endlose graue Wüste grenzend ans Meer. Hier und da Wegweiser nach Stätten von einst, Kreuze für Tote von jetzt wie manchmal ein Wort, eine Gebärde in der Stille zwischen uns. Die Städte entlang der Küste stinken nach Fisch.
Die Straße hoch in die Anden führt durch Tembladere (Zitterstadt), wo eine Malaria herrscht, die Menschen für immer zittern lässt.
Zwei Wochen später, wieder eintauchend in die graue Wüste bei Trujillo, herrscht schlagartig Nacht, ist die Wüste schwarz; ab und zu ein paar Lichter. Noch sechs Stunden. Wir singen, sprechen. Ab und zu schiebe ich dir ein Stück Schokolade in den Mund: nicht einschlafen. Du erzählst von den toten Frauen, die um Mitternacht ihre Gräber verlassen, die Panamericana überqueren, den Truckern die Köpfe verdrehen.

Gegen Mitternacht erreichen wir Lima
.


Ich bin 1940 in Berlin geboren, ging in Göttingen und Heidelberg zur Schule, lebe seit 1961 in den Niederlanden, zeichne, male, schreibe, habe Theater gemacht, habe Theater mit Strassenkindern in Lima gemacht, ziehe immer wieder weiter.
Ich zeichne, male, schreibe.
W: www.sabinevess.nl

 


Michel Vian

 
geboren 1950 in Graz, ist im Arbeitermilieu aufgewachsen und hat nach Beendigung der Pflichtschule eine Mechanikerlehre absolviert. Nach Abschluss der Abendmatura und des Maschinenbau-studiums folgte eine mehrjährige Industrietätigkeit.
Er war zuletzt Lehrer an einer Höheren Technischen Lehranstalt und ist jetzt in Pension.
Sein literarisches Genre sind Dramen, bis jetzt unveröffentlicht, und Prosa.
Groteske: Der Berufene“ (2008)
Erzählungen, Essays: Bittersüße Bonbonnière (2009)
Kriminalstück: Schulgasse Nr.14 (2010)
Veröffentlichungen 
Beitrag zur Festschrift der HTBLA „Zum Frühstück Newton“ 1998
Beitrag zur Festschrift der HTBLA „Geschichte der Weißen Rose“ 2003
Kulturmagazin Reibeisen „Unterwegs in das gelobte Land“ Jg. 28 /2011
div. Lesungen in Graz
Kulturmagazin Reibeisen „Karin“ Romanentwurf Jg. 32 / 2015
IGdA Zeitschrift f. Literatur, Kunst und Kritik „Roquefort allein“ Jg. 39 / 2015
Kulturmagazin Reibeisen „ Piskescheks Erzählungen“ Jg. 33 / 2016
Kulturmagazin Reibeisen „Den Bach entlang“ Jg. 34 / 2017
IGdA Zeitschrift f. Literatur, Kunst und Kritik „Denn sie wissen nicht.“Jg.41 / 2017
 
Die Bratwurst

 
Der Himmel steckt in einer „Bratwurscht“ oder sollte ich besser sagen Bratwurst, damit man mich auch andernorts versteht. Diese baumelt zeitweise sichtbar, zeitweise aus unserem Blickfeld aber vor unserer Nase. Sie bewirkt Frohsinn in uns. Sie macht uns Hoffnung. Hoffnung unseren grenzenlosen Hunger nach Liebe und Gerechtigkeit zu stillen, irgendwann einmal. Es gibt Menschen die behaupten, alles, das gesamte Universum sei ohne Sinn, so einfach zufällig und ohne Absicht. Von der Bratwurst kann man dies jedoch nicht behaupten. Sie macht Hoffnung am Ende der Mühsal das gelobte Land der Liebe und Gerechtigkeit betreten zu können. Doch wie war das damals mit dem versprochenen Land, das wir bewohnen sollten. Einst tanzten wir um das Kalbsfell und derjenige, der uns das Gesetz brachte durfte das Land nicht betreten. Vielleicht tanzen wir heute noch immer um das Kalbsfell, dieses Mal sind die Sünden jedoch andere geworden. Ja auch die Sünden unterliegen dem Wandel der Zeit. Hat schon je einer das gelobte Land gesehen in unseren Tagen? Ist das eine Mär, die Geschichte vom gelobten Land. Gibt es das gelobte Land überhaupt oder sündigen wir wieder in dem Ausmaß wie damals als uns das Gesetz gebracht wurde oder noch etwas mehr und etwas rücksichtsloser? Was sollen wir unseren Kindern erzählen? Soll man zu ihnen sagen, wenn ihr schön artig seid und nicht sündigt werdet ihr das gelobte Land betreten und die Bratwurst schauen. Das Problem unserer Zeit ist jedoch, dass wir unseren Kindern gar nichts mehr sagen oder jedenfalls nur etwas was sich zwischen zwei Mausklicken ausgeht. Liebe und Gerechtigkeit, danach sehnt sich jeder und die Bratwurst will uns dies versprechen. Der Gegenpol des Himmels, der in der Bratwurst steckt, ist die Hölle. Die Hölle ist all das Gegenteil von Liebe und Gerechtigkeit. Es gibt aber keine Hölle. Irgendwo! Irgendwo im Universum. Hölle das sind wir uns selbst. Wir machen das Leben, unser Leben, das Leben des Nächst
en zur Hölle. Sünden gegen ein Gesetz, was zählen sie? Die wahren Sünden begehen wir gegen Umwelt, Mitmensch oder unsere Tierwelt oder gegen uns selbst. Der Mensch als Beherrscher dieses wunderschönen Planeten wird lernen müssen im rechten Maß mit sich und dem Rest dieser Welt zu leben oder er wird die Bratwurst niemals geschenkt bekommen.